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Berlin ist hip und wird von in- und ausländischen Touristen und Zugezogenen wegen seiner kreativen, lässigen und ausgefallenen Szene geschätzt. Fruchtbarer Boden, um sich selbst durch ein ausgefallenes Kunstprojekt einen Namen zu machen, international Aufmerksamkeit zu erzielen und Berlins Ruf als It-Stadt weiter zu festigen. Mit einfachen Mitteln kann dabei schon maximaler Erfolg erzielt werden. Hier eine Idee:

Man nehme ein freies Zimmer oder noch besser sein Wohnzimmer, in dem eine Ecke weiträumig frei geräumt wurde (Aufopferung eigenen Wohnraums für die Kunst ist für den Künstler selbstverständlich und unterstreicht den künstlerischen Anspruch). Dann stelle man zentral zwei überdimensionale schwarze Flachbildschirme einander gegenüber. Die Flachbildschirme sollten mitten im Raum auf ganz schlichten Ständern befestigt werden, die am besten nur aus einem Fuß und einer schmalen Stange bestehen. Die Bildschirme sollten in einer solchen Höhe angebracht sein, dass sich die Bildschirmmitte in etwa 1,7 Meter Höhe befindet. Der Abstand zwischen den parallel ausgerichteten, einander zugewendeten Bildschirmen sollte etwa 3 Meter betragen.

Nun auf zwei großen grünen Kreisscheiben (Durchmesser etwa 30 cm) jeweils ein großes weißes Plus und ein großes weißes Minus (Balkengröße 4-5 cm) aufkleben. Jeweils eine Kreisscheibe an senkrecht an die Außenseite der Bildschirme hängen und zwar so, dass sie beim in den Raum treten sofort erfasst werden. Das ganze wirkt nun auf den Betrachter wie ein riesiger Kondensator. Auf dem einen Bildschirm sollte in Dauerschleife Takeshi’s Castle laufen, auf dem anderen Bildschirm Fashion tv. Fertig ist die Installation! Betrachter dieses Trash TV Kondensators können dann direkt zwischen die Bildschirme treten und sich berauschen lasssen!

Das Ganze sollte zunächst nur einem eingeweihten Kreis von Bekannten gezeigt werden. Durch Veröffentlichungen im Internet oder gezielte Kontaktaufnahme zur lokalen Presse sollte dann ein Offizielles Eröffnungs- wochenende angekündigt werden, an dem Besucher ohne Eintritt, nur gegen eine kleine Spende, das Kunstwerk betrachten dürfen. Bereits in den Ankündigungen des Eröffnungswochenendes sollte darauf hingewiesen werden, dass anschließend eine Besichtigung nur noch einmal die Woche, und zwar jeweils Donnerstangs und nur zwischen 6 Uhr 30 und 7 Uhr 2 möglich sein wird.

Diese Öffnungszeiten sollten auch eingehalten werden, wenn der Andrang so groß wird, dass nicht mehr alle Besucher in die Wohnung gelassen werden können. In diesen Fällen sollte lieber eine maximale Besuchszeit von etwa 2 Minuten festgelegt werden (Familien 3 Minuten). Je ausgefallener desto eher wird es von den Touristen als ganz besonders sehenswürdig eingestuft und als einzigartig, nur-in-Berlin-erlebbar empfunden. Berlin macht es möglich! Nutzen wir die Möglichkeiten! Wer es als erster damit in den Lonely Planet schafft, gibt einen aus!


Starbucks ist nicht mehr nur allgegenwärtig. Starbucks ist so allgegenwärtig, dass selbst die Feststellung, dass Starbucks allgegenwärtig ist, allgegenwärtig ist. Damit hat es die Allgegenwärtigkeit von Starbucks auf die zweite Ebene geschafft. Starbucks ist offiziell allgegenwärtig hoch zwei!

In den Vereinigten Staaten ist diese Potenzierung der Allgegenwärtigkeit von Starbucks bereits vor fünfzehn Jahren erreicht worden. Schon 1998 bestand ein ganzer Teil der Springfield Mall bei den Simpsons nur aus Starbucks-Läden und The Onion titelte: New Starbucks Opens In Rest Room Of Existing Starbucks. Damit war jedoch nicht das Ende des Universums verbunden, wie es vor zehn Jahren Lewis Black behauptet hat, als er tatsächlich einen Starbucks direkt gegenüber einem anderen Starbucks entdeckte und meinte, die Zeit hätte für einen Moment stillgestanden. Vielmehr war Starbucks damit so allgegenwärtig geworden wie das Wetter und kann seither hervorragend als Thema für Small Talk Unterhaltungen verwendet werden. Jeder kann darauf angesprochen werden, denn jeder weiß, worum es geht und kann genug zu dem Thema sagen, um die paar Etagen im Fahrstuhl ohne peinliche Stille vorübergehen zu lassen. Je nach Ort der Unterhaltung eignet sich zum Einstieg entweder:

„Das ist wirklich übertrieben, dass die jetzt hier auch noch einen Starbucks aufgemacht haben. Ob die sich nicht gegenseitig das Geschäft kaputt machen?“

oder

„Ich frage mich warum hier noch kein Starbucks aufgemacht hat, die sind doch sonst überall!“

Der letzte Satz kann jedoch eigentlich nur noch in Moldawien, Feuerland und der Wüste Gobi verwendet werden. Dies ist jedoch zu unser aller Vorteil, gibt es uns doch die Möglichkeit, von einer einzigartigen Gelegenheit zu profitieren, die sich allein bei Starbucks für den optimalen Start in den Tag oder auch jeden sonstigen Anlass, für den ein kräfitger Energieschub nicht von Nachteil ist, bietet. Seit kurzem fragt Starbucks die Kunden nämlich an der Kasse, auf welchen Namen das bestellte Getränk zubereitet werden soll. Der Name wird dann auf den Becher geschrieben. Dies stösst besonders beim ersten Mal auf großes Unbehagen bei den Kunden, die auch häufig vor Überraschung gleich ihren richtigen Namen sagen. Auf Nachfrage erfährt man aber, dass man nicht zwingend einen Namen nennen muss. Stattdessen bekommt man dann eine Sonne oder eine Blume auf den Becher gemalt. Für Starbucks ist das Namen-erfragen offizielle Geschäftsvorgabe. Inzwischen stehen an den Ausgabetischen auch Hinweisschilder „Warum wir Sie nach Ihrem Namen fragen? Weil jedes Getränk für Sie persönlich zubereitet wird!“

Natürlich kann man auch einen falschen Namen sagen. Allerdings wird man durch Starbucks dazu gezwungen, auch öffentlich zu seiner Wahl zu stehen, denn nach Fertigstellung des Getränks wird der gefüllte Becher begleitet von einem Ruf in den Saal, „Iced Cinnamon Dolce Latte für Biedermeier“, auf den Ausgabetisch gestellt. Hier zeigt sich oft, dass ein allzu unbedacht gewählter Name, den man vielleicht an der Kasse noch lustig fand, den Publikumstest nicht besteht. Kenner wählen daher unverfängliche Namen, die noch so normal sind, dass sie echt sein könnten, jedoch auch schon wieder so perfekt auf das Verbleiben in der Anonymität abgestimmt sind, dass sie ausgedacht sein müssen. Das Paradebeispiel ist hier „Sonntag“ Der Ruf „Vanilla Latte für Sonntag“ wird niemanden aufhorchen lassen und geht im Kaffehaus-Trubel schnell unter. Keinesfalls sollte jedoch von der Option, keinen Namen zu nennen, Gebrauch gemacht werden. „Latte Macchiato für Blümchen“ oder „Hot Chocolate für Sonnenschein“ wird regelmäßig mitleidig-spöttisches Lächeln der Umstehenden hervorrufen.

Man kann sich natürlich an den (für die Geschäftspolitik nicht verantwortlichen aber als Blitzableiter hervorragend geeigneten) Starbucks-Mitarbeitern für diese öffentliche Erniedrigung rächen, indem man nur sehr lange oder höchst schwer auszusprechende Nachnamen wählt, die zum einen für den Aufschreibenden an der Kasse aber auch für den Ausrufenden an der Ausgabe zur Tortur werden. Empfehlenswert sind hier vor allem polnische Nachnamen wie „Przybilla“ oder „Rzeźniczak“.

Ein positiverer Ansatz ist es jedoch, sich das Ausrufen zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zur eigenen Motivation zunutze zu machen. Unschlagbare Namen sind hier „Sieger“, „Helden“, „Starke“. An der Kasse noch relativ unverfänglich, entfalten sie beim Ausrufen ihre gesamte Kraft und man genießt den Moment, in dem man nach dem Ruf „Caffè Latte für Sieger“, „Espresso Macchiato für Helden“, oder „Cappuccino für Starke“ unter den Augen der Anwesenden zum Ausgabetisch schreitet und nach seinem Becher greift. Wenn möglich sollte man gleich zu den Leuten links und rechts um sich herum Blickkontakt aufnehmen, anerkennend nicken und beim Weg aus dem Lokal die rechte Hand zum Abklatschen mit den Wartenden erhoben haben!

Was für ein Endorphin-Schub, wieviel Energie nimmt man aus diesem Moment mit! Ein besserer Start in den Tag ist kaum möglich. Und das Beste ist: Wir alle können Sieger sein! Oder Helden! Je mehr Menschen sich diese Taktik zunutze machen, desto besser geht es uns allen! Sieger und Helden werden die Kaffeeläden bevölkern und die Produktivität wird durch die Decke gehen! Wirtschaftskrisen und Depressionen werden der Vergangenheit angehören, Starbucks wird weiter expandieren und als einendes kulturelles Merkmal aller Völker und Kulturen die Menschen näher zusammen bringen! Oder man ignoriert diese postiven Nebeneffekte, gibt ganz egoistisch einfach „Lau“ als Namen an und lacht sich beim Ruf „Caffè Americano für Lau“ ins Fäustchen.

Ein Tipp noch: Falls man sich doch lieber für die Variante mit den polnischen Nachnamen entscheidet, gilt es, nicht in die eigene Falle zu tappen und bei Rückfragen zur Schreibweise des Namens einen kühlen Kopf zu bewahren. Man muss die Namen nämlich nicht buchstabieren können! Bei Rückfragen des Starbucks-Personals buchtabiert man einfach K-R-A-M-E-R. Wenn dann der neunmalkluge Kassenbediener entgegnet „Das heißt aber Kramer“, dann schaut man kurz verdutzt und sagt anschließend mit festem Blick:

„Achso ja, geschrieben wird es Kramer, aber ausgesprochen wird es Rzeźniczak!“


Bewerbungsratgeber nehmen überhand. Dabei wird aber leider ein Detail häufig vernachlässigt, sowohl von den Ratgebern als auch von den Bewerbern, welches zur Erleichterung vieler verzweifelter Bewerber im Folgenden gebührend beleuchtet werden soll: die Briefmarke auf dem Bewerbungsumschlag. Allzuoft als Nebensache abgetan kann sie doch Personalchefs soviel über den Bewerber verraten. Denn gerade mit der Marke kann man gezielt Akzente setzen und sich aus der Masse der Bewerber hervortun, noch bevor die Umschläge geöffnet werden. Der folgenden Richtlinien sei sich der Rat und Hilfe suchende Bewerber deshalb stets bewusst:

1. Ist die Marke klein und verhuscht, vielleicht sogar etwas schräg in die Ecke geklebt, ist auch der Bewerber tendenziell schüchtern und fühlt sich wohler am Rande als in der Mitte im Scheinwerferlicht (lässt sich möglicherweise auch leicht in die Ecke drängen). Es empfiehlt sich daher große Briefmarken zu nehmen. Sie sind ein erstes Ausrufezeichen und lenken den Blick des Betrachters auf die Bewerbung. Nun kommt es auf die zweite wichtige Eigenschaft an: Haltung! Kerzengerade geklebte Marken zeugen von Selbstbewusstsein und sichern den notwendigen Respekt. Die Marke nie verkehrt herum oder auf der Seite liegend aufkleben! Dies entwürdigt die Marke und mit ihr auch den Bewerber.

2. Hat der Bewerber die Briefmarke fein säuberlich an der Perforierung herausgetrennt und eingeklebt, ist er vermutlich eher pedantisch und verschlossen und gibt wenig von sich Preis: Beweis mangelnder Teamfähigkeit noch bevor der Bewerbungsumschlag geöffnet wurde. Lässt man dagegen noch den Randstreifen an der Marke, zeugt dass von einer gewissen Großzügigkeit und einem offenerem Wesen – ideal für die Arbeit im Team aber auch allgemein für das Arbeitsklima. (Aber Achtung! Dies gilt nur für den Randstreifen der Marke. Keinesfalls übertreiben und eine zusätzliche Briefmarke aufkleben! Dies ist ein Zeichen für verschwenderischen Umgang mit Ressourcen und irritiert Arbeitgeber.)

3. Keinesfalls Wohlfahrtsmarken verwenden! Sie sind als zu anbiedernd inzwischen wieder aus der Mode (waren in den 90ern aber Pflicht!). Soziales Engagement sollte nicht auf diese Weise zur Schau gestellt werden.

4. Auch die Färbung der Briefmarke ist von Relevanz. Es gilt: Farbe bekennen! Großflächige farbige Marken, am besten in Primärfarben zeugen von Trendbewusstsein, besonders, wenn die Farbe der Marke nach dem Öffnen des Bewerbungsumschlags von der Farbe der Bewerbungsmappe wieder aufgenommen wird. Hier kann sich der Bewerber als eigene Marke im Bewusstsein des Personalchefs einbrennen. Je nach Branche kann es unter Umständen auch vorteilhaft sein, eine ausgefallenere Färbung zu wählen. Sofern man sich aber nicht sicher ist, sollte man aber lieber bei den Primärfarben bleiben. Damit macht man nichts falsch. Keinesfalls aber, auch in noch so ausgefallenen Branchen, sollten Schwarz-, Weiß- oder Grautöne die Marke dominieren. Sie zeugen bestenfalls von schlechtem Geschmack, im schlimmsten Fall unterstellen sie dem Bewerber aber mangelnde Kreativität, Passivität, Kränklichkeit und esotherische Anwandlungen mit Tendenz zur Mitgliedschaft in Sekten und weltanschaulichen Vereinigungen. Das verunsichert Arbeitgeber.

5. Ein Wort zum Motiv: gerade hier gibt es die größte Auswahl und die meisten Fallstricke. Federzeichnungen und Kupferstiche können regelmäßig altmodischen, traditionsbewussten Bewerbern zugeodnet werden. Dies kann je nach Branche auch mal zulässig, oder sogar gewünscht sein – beispielsweise bei der Bewerbung um die freie Stelle als Erzbischof in München und Freising. Im Regelfall stellen sie aber die schlechtere Wahl dar. Naturmotive sind zu vermeiden. Sie treffen selten den Geschmack des Arbeitgebers. Städteansichten sind langweilig. Richtig punkten kann man hier mit ausgefallenen Motiven, beispielsweise aus Sonderreihen: technische Errungenschaften, Musikinstrumentendetails, Comic-Editionen, moderne Kunst.

Damit dürfte der richtige Eindruck beim Bewerbungsempfänger von vornherein garantiert sein. Allen Bewerbern viel Erfolg! Es sei hier noch erwähnt, obwohl es natürlich selbstverständlich ist, dass mit dem Arbeitgeber zu keinem Zeitpunkt – beim Bewerbungsgespräch und auch später – über die Marke gesprochen wird. Der Arbeitgeber wird das Gespräch nicht auf das Thema bringen und auch der Bewerber sollte sich hier zurückhalten. Man hat sein Zeichen gesetzt. Das genügt. Jedes weitere Wort erübrigt sich.

Zum Schluss noch ein kleiner Geheimtipp: die Marke auf den Briefrücken kleben! Das zeugt von Originalität und Sinn für Humor.


In der Mitte Berlins, zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz, befindet sich die Hessische Landesvertretung. Dort existiert im Erdgeschoss neben dem Haupteingang ein kleines Bistro namens Mainhattan. Es ist ziemlich klein, für nur etwa 25 Leute gleichzeitig ausgelegt, und bietet neben einer Auswahl hessischer Spezialitäten auch jeden Tag zwei verschiedene Tagesmenüs. Sämtliche Hauptgerichte werden mit einer Vorsuppe serviert und kosten so zwischen 6 und 7 Euro. Es gibt auch ein Tagesdessert für 50 cent: das sogenannte Auszubildendendessert.

Das Bistro ist durchaus zu empfehlen, wenn man in dieser Gegend einen nicht überlaufenen kostengünstigen Mittagstisch sucht. Allerdings ranken sich um dieses Etablissement auch eine Reihe ungeklärter Fragen:

1. Ist man in der Hessischen Landesvertretung technisch gesehen auf Hessischem Staatsgebiet und nicht mehr in Berlin?

2. Obwohl das Bistro so klein und immer gut besucht ist, warum ist immer noch genau ein Tisch frei, wenn man kommt?

3. Warum machen die Auszubildenden nur das Dessert? Befinden sie sich im Bistro in der Landesvertretung gerade in der Dessertphase ihrer Ausbildung? Oder bewerben sich die Hessischen Landeskinder direkt als Dessert-Azubi für Berlin?

Dessert-Azubi in Berlin! Wie elitär das schon klingt! Wahrscheinlich bewerben sich jedes Jahr landesweit hunderte junge Menschen für die Stelle. In jedem Weindorf an Rhein und Main wählen die Bewohner im Frühsommer beim Dessertfest auf dem Marktplatz über Quarkspeise und Apfelmus ihren Kandidaten für die Landesauswahl. Nach weiteren Vorrunden in Frankfurt tritt schließlich der Sieger in der Kategorie Rote Grütze gegen den Ersten des Schokocremewettbewerbs an, im alles entscheidenden Wiesbadener Wackelpuddingshowdown. So kommt nur die beste Dessertqualität nach Berlin, und das für 50 cent!

Riesen-Geschäftsidee!


In einer Welt, in der jeder mit jedem befreundet sein kann, definiert sich das Individuum am Besten durch gezielte Abgrenzung. Darum: Fiesbook! Das Social Network, in dem man die Leute markiert, mit denen man auf keinen Fall etwas zu tun haben möchte. Beispiel: Hans verfemt 83 Personen (Alle anzeigen).